banner black watch

Die Lagergruppe Black Watch Vienna

 

Bei verschiedenen Veranstaltung und auf Mittelalterfesten

stellen wir ein Feldlager einer schottischen Sicherheitstruppe  aus der Epoche des ausgehenden 17. Jhdts. dar,  der Zeit der großen Clankriege um die Vorherrschaft  in den Highlands, gegen die neue Herrschaftsordnung der Engländer und die protestantische Thronfolge. Das Lagerleben wird, ohne Anspruch auf Authentizität, so dargestellt, wie es damals ausgesehen haben könnte.
Unser Lager ist prinzipiell "offen" und kann von Interessenten besucht werden


Was genau macht ihr denn eigentlich "im Lager"?

Eine Frage die viel häufiger auftaucht, als man meinen möchte.

Wenn wir Verwandten, Freunden oder Arbeitskollegen von unserem doch recht ungewöhnlichen Hobby erzählen, folgt oft Unverständnis und meistens auch Neugierde. Manche halten das Ganze für eine Art von Freilichttheater, andere denke dabei eher an Faschingsumzüge. Um also solche Missverständnisse der seltsamen Art zu vermeiden, hier eine kurze Beschreibung dessen, was wir machen:

Wir sind ein schottisch orientierter Highland-Reenactment Verein.

Wir fahren mit unserer Ausrüstung auf Highlandgames und Mittelaltermärkte in ganz Österreich und präsentieren den Besuchern dort das mittelalterliches Lagerleben einer schottischen Sicherheitstruppe des 17. Jahrhunderts unter Waffen.

Zusätzlich veranstalten wir für Kinder von 0 bis 12 Jahren die beliebten Kinderhighlandgames und bringen für die Erwachsenen Whiskyverkostungen schottischer Single Malts. (dabei versuchen wir das nicht zu verwechseln)  :-) Eine Bogenschießanlage für Erwachsene und Kinder kann von uns ebenfalls betrieben werden.

Ambiente und ein stimmiges Bild sind uns wichtig. Wir achten auch während des Marktalltags sehr genau darauf, dass keine modernen Eindrücke das Lager stören. Flaschen, Dosen, Zigaretten, Verpackungen etc. - das alles hat im einsehbaren Teil des Lagers nichts zu suchen. Plastikwannen zum Geschirr abwaschen und alles was man so zum Überleben braucht (Kaffeemaschine :-) stehen im (geschlossenen) Küchenzelt. Fragen zu Einzelheiten des Lagers und unserer Ausrüstung, von Gewandung bis Essgeschirr und von Waffen bis Zelt beantworten wir gerne.

Will man an einem Lager und als Darsteller teilnehmen, braucht man:

  • Zelte - und zwar nicht die bekannten rucksackfreundlichen Miniunterkünfte sondern mehrere Meter hohe und breite Schönheiten aus Segeltuch, mit hölzernem Gestänge und passenden Abspannseilen.
  • Ein Sonnensegel, das auch vor Regen schützen kann
  • Möbel wie Sitzbänke und Tische, nicht vom IKEA :-)
  • Geschirr, Beleuchtung (Öllampen, Wachskerzen, etc.), Kochutensilien, Besteck
  • Lebensmittel, die man auch vor Besuchern auf den Tisch stellen kann. Also keine Schokolade, keine Kartoffeln, und nichts, das wegen der Verpackungen nicht ins Ambiente passt
  • Medikamente, ein Erste-Hilfe-Paket und einen Feuerlöscher (im Lagerzelt)
  • Pfähle und ein Seil, um die Bereiche abzugrenzen, wo die Besucher nicht hin sollen, zum Beispiel die Feuerstelle oder ein dichtes Gewirr von Abspannseilen (sonst gibt es hinterher Besucher, die über Zeltheringe stolpern oder in die Feuergrube fallen).
  • Ein Schild mit den Worten 'Bitte die Darsteller nicht füttern'
    (Nein, das war ein Scherz ...)

Wir haben im Verein die komplette Lagerausrüstung. Unsere Mitglieder benötigen nur ihre persönliche Ausrüstung. Auf den Fotos seht ihr die drei 4m Wohnzelte, das 6x6m Tarp, die Tische und Bänke, Feuerstellen usw. Bei Bedarf kommen noch 2 Keilzelte mit 3x2m als Küchen- und Lagerzelt zum Einsatz. Nicht zu vergessen der "Whiskyverkostungsbegleitstand", das geistige Zentrum des Lagers.



Wie läuft so ein Markt oder ein Lager ab?

Die Markthauptsaison geht von April bis Oktober, wobei es immer auch einige mittelalterliche Winter- und Christkindlmärkte gibt. Allerdings braucht man für die Märkte außerhalb der Saison noch einmal spezielle Ausrüstung,

Zunächst einmal muss man sich natürlich beim Veranstalter anmelden oder man wird eingeladen.
Dabei bespricht man mit dem Veranstalter auch, was man auf dem Markt anbieten möchte (z.B. unsere Kinderhighlandgames - KHLG), oder was eben so vom Veranstalter gewünscht wird.

Der Veranstalter stellt für gewöhnlich Strohballen und Feuerholz für das Lager, Zugang zu frischem Wasser und Toilettenanlagen zur Verfügung.

Manchmal gibt es auch Verpflegung oder die Fahrtkosten werden ersetzt. Wenn man als Gruppe auch ein Schau- oder Workshopprogramm anbietet, ist es üblich eine Gage zu verlangen.

Man packt also (meistens am Freitag) alles in den Anhänger und fährt zum Markt. Dort bekommt man einen Lagerplatz zugewiesen und ist dann erst einmal ein paar Stunden mit Aufbauen beschäftigt.

In einem fertigen Lager stehen die Zelte optimalerweise im Halbkreis, das Sonnensegel überspannt den Platz in der Mitte und darunter stehen die Bänke und Tische. Man ist natürlich sehr flexibel, da jeder Lagerplatz anders ist und man sich an die Gegebenheiten anpasst.
Wenn wir die Kinderhighlandgames veranstalten, kommt noch der Aufbau der 3 Bewerbe dazu. Eine Bogenschießbahn und die Plätze zum Baumstammwerfen und Seilziehen.

Die Strohballen sind zwischen den Zelten verteilt. Sie dienen als Streu, falls der Boden sehr feucht ist aber auch als Sitzgelegenheiten, als Sichtschirm (zum Beispiel für den Müllsack oder den Feuerlöscher) und verstärken natürlich auch die Atmosphäre.

Auch beim Bogenstand, dem Baumstammwerfen und dem Seilziehen werden Strohballen benötigt.

Es gibt immer was zu tun ... :-)


Ein wichtiger Teil des Lagers ist das Feuer

Die Anweisungen dafür erhält man vom Veranstalter - darf man direkt auf dem Untergrund Feuer machen? Soll eine Feuergrube ausgehoben werden? Muss ein Feuerblech verwendet werden?
Mit Feuerschalen, Feuerlöscher und Brandschutzdecken sowie einen Kübel Wasser sind wir für alles gerüstet.
Brandschutz ist ein wichtiger Teil einer Veranstaltung.

Holzrauch ist übrigens einer der ganz typischen Gerüche, die man von wirklich jedem Markt mit nach Hause bringt, weil es sich nicht vermeiden lässt, im Laufe eines Wochenendes öfter auch im Rauch zu sitzen.

Nach dem Aufbau verwandelt man sich in sein Mittelalter-Ich, sprich: man zieht sich um.
Dann kann der Markt eigentlich losgehen. Man verbringt dann ein Wochenende damit, sich den Markt anzusehen, Ausrüstung einzukaufen, mit Gleichgesinnten fachsimpeln, Trainingskämpfe auszufechten, das eigene Programm durchzuziehen, Fragen von Besuchern zu beantworten und die wirklich unvergleichliche Atmosphäre zu genießen.

Natürlich ist es auch ein arbeitsintensives Hobby.
Jeder hat seine Aufgaben im Lager und jeder muss zugreifen, wenn es nötig ist. Wasser und Holz schleppen, alles sauber halten, kochen, bei Vorbereitungen für das Programm helfen ...
vom großen logistischen Aufwand des Transports, des Auf- und Abbauens einmal ganz abgesehen.

Aber das alles ist die Mühe wert für unsere Zeitreise ins 17. Jahrhundert

Besonders schön ist es abends, wenn die Besucher weg sind und es langsam dunkel wird.
Dann bleibt nur die Beleuchtung durch die Feuer, Lampen und Kerzen. Man sitzt zusammen, besucht sich gegenseitig in den Lagern, kocht auf dem offenen Feuer, isst, trinkt und macht es sich gemütlich.

Wenn man dann schließlich so langsam in den Zelten verschwindet, ist es meistens schon recht spät - oder früh.

Am Ende des Marktes baut man wieder ein paar Stunden ab, packt alles ein und fährt nach Hause.

Schmutzig, müde, halb geräuchert und SEHR zufrieden.


Nach dem Markt ist vor dem Markt!

Obwohl die Märkte natürlich die Höhepunkte des mittelalterlichen Jahres darstellen, beschäftigen wir uns auch zu Hause mit dem Thema.

Die Ausrüstung muss laufend gereinigt, repariert und erweitert werden. Wir machen so viel wie möglich selber, haben unsere Möbel selbst gebaut und arbeiten auch an Gewandung, Rüstungen, Waffen und sonstiger Ausrüstung für das Lager, die Kinderhighlandgames, das Bogenschießen und den Whiskystand.

Außerdem recherchieren, arbeiten, diskutieren und organisieren wir das ganze Jahr über, damit diese Homepage und die Lager so funktionieren wie es sein soll. Manche Mitglieder beschäftigen sich auch mit Bogenschießen, sie gehen regelmäßig zum Training mit dem englischen Langbogen und haben diverse Leistungsabzeichen erworben.

Ich hoffe, Euch hier etwas von unserem Hobby gezeigt und euer Interesse geweckt zu haben.
Wenn Du einmal mitmachen willst, melde Dich! Für Fragen stehen wir Euch gerne jederzeit zur Verfügung.

Kontakt /Anfragen /Auskünfte:
Heribert H. Naber
Lord of Glencoe



Tel. mobil: +43 (0) 664 411 33 35          
Fax:              +43 1 257 35 10

e-mail:        
office@blackwatch-vienna.at  
homepage:
blackwatch-vienna.at

Kontaktformular


Noch ein Nachsatz zum vielzitierten großen "A"

"A" steht in der Mittelalter- und Reenactmentszene für die viel umstrittene Authentizität in der Darstellung.

Im Klartext:
Gruppen, die sich mit dem großen "A" schmücken, richten ihre Darstellung nach belegbaren Vorbildern
.
Seien das Kleiderschnitte, Stickereistiche, Geschirr, Rüstungsteile oder Speisen.  Ob man "A" aber nun eher bei "museumsreif" oder bei "geschichtsnah“ interpretiert oder irgendwo dazwischen ansiedelt, bleibt jeder Gruppe selber überlassen.
Aber "A" steht aber auch für "Ausgesprochen zeitaufwändig" und für "Aber das kann ich mir doch nicht leisten"

Man darf bei all diesen Diskussionen niemals vergessen, dass dieses Hobby überdurchschnittlich viel Zeit und Geld frisst. Seidengarn für Borten, die "A" sind? Schwer zu kriegen und teuer. Stoffe aus reiner Wolle oder Leinen, womöglich noch pflanzengefärbt? Siehe oben. Handgearbeitete Schuhe aus Leder? Waffen und Rüstungen? s.o.

Der Punkt ist, dass wir uns all dieser Einschränkungen aber voll bewusst sind. Wir möchten unseren Darstellungszeitraum so nahe erleben, wie es uns eben möglich ist. Die Erfahrungen, die man in einem Lager macht, sind aber immer irgendwie von unseren modernen Ansprüchen geprägt und wahrscheinlich eingeschränkt. Wer etwas anderes behauptet, dem würde ich gerne dabei zusehen, wie er sich in einem Lager erst eine Latrine gräbt und sich dann statt Klopapier irgendwelche Blätter oder auch gar nichts mitnimmt.

Wir bemühen uns um eine angenäherte authentische Darstellung - das bedeutet, dass bei unserer Kleidung zwar nicht alles mit der Hand genäht ist, dass wir uns aber bei Stoffen, Verzierungen und Schnitten um Authentizität bemühen. So beziehen wir unsere authentischen Black Watch Uniform- und Ausrüstungsteile aus dem Zentrum der Black Watch in Balhousie Castle in Perth /Schottland.

In unseren "authentischen" Zelten aus Segeltuch, Leinen, Holz und Seilen finden sich Luftmatratzen, Feldbetten, Schlafsäcke und bei Bedarf eine Heizung oder Kühltasche. In unseren ledernen Mittelalterschuhen sind Fußbetteinlagen, mit denen man auch einen langen Markttag (im wahrsten Sinne des Wortes) durchsteht. Wir tragen ganz normale Unterwäsche unter Rüstung und Kleid (was unter dem KILT getragen wird, verraten wir nicht) und haben auch immer Klopapier mit :-) Wir versuchen alle nicht "zeitgemäßen" Sachen, wie handys und Uhren in den Lager- und Küchenzelten unterzubringen und so den Blicken der Besucher zu entziehen.
Zu den Veranstaltungen fahren wir auch nicht mit dem Pferdewagen oder gehen zu Fuß mit dem Handwagen, sondern verwenden zum Transport der Ausrüstung und Personen einen 2.5t Doppelachseranhänger und Autos.

Wir sehen das so:
Das, was andere zu sehen bekommen soll passend sein, das was sich darunter verbirgt hat den Nachrang - zum Teil auch einfach aus gesundheitlichen oder hygienischen Gründen. Wir wissen, wo wir es uns einfacher machen, als es früher war und versuchen das in vernünftigen Grenzen zu halten oder es in Zukunft zu verbessern.

"A" zu sein bedeutet für uns eine gesunde Mischung aus nachweisbar und realisierbar.

 

Kommentare dazu? Hier ist unser KONTAKTFORMULAR